Schwurbler, Nazis, Scharlatane: Dritte Auflage des bunten Abends der Verschwörungstheorien

Nora Feline Pösl:
Wütende Wissenschaftsfeindlichkeit, verworrene Verschwörungstheorien und rapide Radikalisierung – wie die Covid-19 Pandemie Angriffe auf die Wissenschaft, den Glauben an sog. alternative Heilmethoden und Verschwörungsideologien befeuert hat

In Krisenzeiten steigt die Neigung zum Glauben an Verschwörungstheorien. Im Zuge der Covid-19-Pandemie verbreiteten sich über soziale Medien weltweit Verschwörungsideologien zur Entstehung, der Gefährlichkeit und der Existenz des Coronavirus, wie auch zu den Covid-19-Impfungen. Diese Verschwörungsideologien beförderten das Misstrauen gegen die Wissenschaft und haben zu einer teils gewaltvollen Radikalisierung geführt, welche sich auch in Deutschland beobachten ließ. Während das Vertrauen in die Wissenschaft bei zahlreichen Personen sank, erlebten sog. alternative Heilmittel einen Boom. Nora Pösl wird in ihrem Vortrag über die Zusammenhänge von sog. alternativen Heilmethoden und Verschwörungstheorien sprechen, die auf Wissenschaftsfeindlichkeit, Komplexitätsreduktion und einem Gut-Böse-Dualismus basieren.

Nora Feline Pösl ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Ihren Master hat sie in der Sozialwissenschaft und Gender Studies abgeschlossen, derzeit arbeitet sie an ihrer Promotion im Bereich Politikwissenschaften an der Ruhr-Universität. Nora Pösl forscht zu den Zusammenhängen von sog. alternativen Heilmethoden, Verschwörungstheorien und rechten Ideologien, insb. mit Fokus auf Antisemitismus und Rassismus sowie zu Strukturen sozialer Ungleichheit.

Rolf Schleyer
Verschwörungsdenken und Antisemitismus

Spätestens die Corona-Krise machte es deutlich: Verschwörungserzählungen können sich in Zeiten von Internet und sozialen Medien schnell verbreiten und viele Anhänger gewinnen. Dabei sind sie häufig antisemitisch grundiert oder zumindest anschlussfähig für antisemitische  Welterklärungsversuche – und mit jeder neuen Krise wird Antisemitismus unverhohlener geäußert und sichtbarer.

Der Vortrag geht der Frage nach, wie Verschwörungsdenken funktioniert und was es mit Antisemitismus verbindet.

Rolf Schleyer, Politikwissenschaftler aus Gießen, ist Dozent am Bildungszentrum des Bundes in Wetzlar und Gründungsmitglied des Netzwerkes für politische Bildung, Kultur und Kommunikation (nbkk) e.V., das sich seit über zwanzig Jahren kritisch mit Antisemitismus, Autoritarismus und Ethnozentrismus auseinandersetzt. Die Beschäftigung mit Verschwörungsdenken und Antisemitismus ist einer der Schwerpunkte seiner Arbeit.


Oliver Rautenberg
Anthroposophie – das einflussreichste esoterische Denkmodell Europas

Viele von uns suchen im Leben nach besseren Alternativen. Nach einer sanfteren Medizin, einer besseren Landwirtschaft oder einer individuelleren Pädagogik. Doch der Markt für alternative Angebote dieser Art sind häufig esoterisch geprägt. Unbewusst kauft man somit auch eine Weltanschauung mit ein – oft die der Anthroposophie nach Rudolf Steiner.

Die Anthroposophie ist die größte esoterische Strömung Europas. Die spirituelle Weltanschauung gehört zu den Marktführern im Bereich alternativer Schulen, sogenannter alternativer Medizin, biodynamischer Landwirtschaft. Ihre Praktiken basieren auf den Eingebungen eines vermeintlichen Hellsehers und sind dabei weitgehend staatlich anerkannt und gefördert. Das okkult-magische Weltbild der Anthroposophie ist jedoch weitgehend unbekannt. Es bedarf einer Aufklärung über die Hintergründe und ganz praktischen Auswirkungen der Anthroposophie, damit BürgerInnen und KundInnen sich eine aufgeklärte Meinung bilden können.

Oliver Rautenberg (49) ist Journalist, Autor und Podcaster. Er beschäftigt sich seit rund 15 Jahren mit der Anthroposophie Rudolf Steiners und gilt als einer der führenden Experten zu dieser esoterischen Weltanschauung. Sein ‚Anthroposophie.Blog‚ war für den renommierten Grimme Online-Award nominiert. Rautenberg lebt und arbeitet im Ruhrgebiet (Nordrhein-Westfalen).