Satanic Panic Reloaded – die Verschwörungstheorie vom satantisch-rituellen Missbrauch

Es ist eine außergewöhnliche Verschwörungstheorie: In der ganzen westlichen Welt existieren große geheime Netzwerke gesellschaftlicher Eliten, die sich seit Jahrzehnten zu satanistischen Ritualen treffen, bei denen sie Kinder sexuell missbrauchen. Um die Aufdeckung dieser kriminellen Praktiken zu verhindern, wenden die Täter spezielle Psychotechniken an, mit denen sie die Opfer gezielt in mehrere Persönlichkeiten aufspalten und sie darüber fernsteuern. Diese Vorstellung, die in den frühen 1980ern in den USA aufkam, ist bis in offizielle Stellen wie den Betroffenenrat bei der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs vorgedrungen. Kritik daran wird als „Leugnung“ von schweren Verbrechen und „Täterschutz“ diffamiert. Das ist fatal, weil die Verschwörungstheorie vom satanistisch-rituellen Missbrauch im Kontext von Psychotherapien auftritt und dort großen Schaden anrichtet, etwa durch induzierte Falscherinnerungen. Die Kriminalpsychologin Lydia Benecke und der Journalist Bernd Harder erläutern die Problematik der neuen „Satanic Panic“ in Deutschland und formulieren Forderungen an Politik und Fachverbände.


Lydia Benecke studierte Psychologie, Psychopathologie und Forensik an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2009 ist sie Kriminalpsychologin mit Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Gewalt- und Sexualstraftaten tätig. In der GWUP dekonsturiert sie vermeintlich übernatürliche Phänomene oder Verschwörungsnarrative mithilfe psychologischer Erklärungsmodelle. Als Autorin verfasst sie kriminalpsychologische Bücher, Buchbeiträge und Artikel, außerdem ist Sie Mitglied des Wissenschaftsrats der GWUP.
Weitere Infos auf
www.benecke-psychology.com.

Bernd Harder ist Journalist und Chefreporter der GWUP-Zeitschrift „Skeptiker“. Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren kritisch mit Esoterik und Verschwörungstheorien und hat zahlreiche Bücher dazu verfasst.